Wie gehen Sie bei einer Besichtigung strukturiert vor? Nehmen Sie eine Checkliste mit
und starten Sie außen: Zustand der Fassade, Dach, Fenster und Haustür sind erste
Indikatoren für Investitionsbedarf. Notieren Sie Mängel und fragen Sie nach
Instandhaltungen der letzten fünf Jahre. Betreten Sie das Gebäude, prüfen Sie Flure,
Treppenhaus und Gemeinschaftsräume. Kontrollieren Sie die Briefkastenanlage – sie gibt
Hinweise auf Leerstand oder häufige Mieterwechsel.
In der Wohnung selbst
prüfen Sie den Zustand von Sanitär, Elektrik und Böden. Achten Sie auf Gerüche,
Schimmelspuren und die Funktion der Fenster. Verlangen Sie Einsicht in den
Energieausweis und die Protokolle der Eigentümerversammlungen. Gerade bei
Mehrfamilienhäusern gibt es oft versteckte Kosten – fragen Sie gezielt nach geplanten
Sanierungen oder Rückständen in der Instandhaltungsrücklage.
Machen Sie sich
zu jedem Raum Notizen und fotografieren Sie Problemstellen. Eine zweite Besichtigung zu
anderer Tageszeit hilft, Lichtverhältnisse und Lärm zu beurteilen. So vermeiden Sie
Überraschungen nach dem Kauf.
Wie prüfen Sie die relevanten Unterlagen? Lassen Sie sich vom Verkäufer aktuelle
Grundbuchauszüge und Baubeschreibungen vorlegen. Prüfen Sie, ob Rechte Dritter,
Dienstbarkeiten oder Altlasten eingetragen sind. Kontrollieren Sie die Teilungserklärung
und die Protokolle der letzten Eigentümerversammlungen. Bei Wohnungen ist der Stand der
Instandhaltungsrücklage besonders wichtig – dieser zeigt, wie gut die Gemeinschaft
vorsorgt.
Verlangen Sie Abrechnungen der letzten drei Jahre für
Betriebskosten, Hausgeld und Sonderumlagen. Prüfen Sie, ob es Streitfälle oder offene
Forderungen gibt. Notieren Sie offene Fragen und klären Sie diese schriftlich, bevor Sie
eine Entscheidung treffen.
Falls möglich, holen Sie ein unabhängiges
Gutachten ein. Ein Sachverständiger erkennt versteckte Mängel, die für Laien oft nicht
sichtbar sind. Planen Sie das Honorar als festen Posten ein – das spart unter Umständen
hohe Folgekosten.
Wie minimieren Sie Ihr Risiko? Halten Sie Kontakt zu Ihrer Bank und stimmen Sie
Finanzierung und Objektwahl aufeinander ab. Bevor Sie verbindliche Zusagen machen,
prüfen Sie mit einem Anwalt alle Vertragsentwürfe. Klären Sie die Zahlungsmodalitäten:
Wann ist der Kaufpreis fällig, wann erfolgt die Übergabe? Prüfen Sie, ob eine
Auflassungsvormerkung im Grundbuch eingetragen wird – das schützt vor
Doppelverkäufen.
Denken Sie an Ihre Rücklagen für Instandhaltungen und
laufende Kosten. Überprüfen Sie, ob die Immobilie zu Ihrer Lebenssituation passt und
flexibel genutzt werden kann. Falls Zweifel bleiben, lassen Sie sich Zeit oder prüfen
Sie Alternativen.
Zusammengefasst: Eine strukturierte Prüfung schützt Sie vor
Fehlentscheidungen und gibt Ihnen die nötige Sicherheit für Ihren Immobilienkauf – ohne
böse Überraschungen.